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Die Reformation

Zwei Strömungen - eine Triebkraft

Die Reformation vollzog sich in zwei Strömungen, die im Grundsätzlichen übereinstimmen, sich in Details aber unterschiedlich artikulieren: die eine fußt auf Luther, ihre Anhänger sind die Lutheraner, die andere auf Zwingli und Calvin, ihre Anhänger werden als Reformierte (auch Presbyterianer, Kongregationalisten, Puritaner) bezeichnet. Beide Glaubensrichtungen sind unter dem Begriff Protestantismus zusammengefasst.

Bereits vor Luther und Zwingli gab es Versuche, die Kirche zu erneuern, u.a. durch Petrus Valdus (Waldes) im 12. Jh., John Wyclif im 14. Jh. und Jan Hus zu Anfang des 15. Jh., aber erst das 16. Jahrhundert wurde zum eigentlichen Zeitalter der Reformation.

Zwei Männer der bestehenden „einen heiligen katholischen Kirche“ entdeckten fast gleichzeitig an unterschiedlichen Orten das Evangelium neu und wurden damit zu Initiatoren der reformatorischen Bewegung: Martin Luther in Wittenberg und Ulrich Zwingli in Zürich. (Johannes Calvin aus Genf, der andere und prägendere „Vater“ reformierter Theologie, war ein Reformator der folgenden Generation.) Beide, Luther und Zwingli, wollten die Kirche ihrer Zeit erneuern, sie wieder zurückführen auf ihren Urgrund, die reine Verkündigung von Gottes Wort. Die Reaktion der Kirche war Verfolgung und Aussonderung. Den beiden Theologen blieb nichts anderes übrig, als ihr eigenes Kirchenwesen aufzubauen. Dass es kein gemeinsames wurde, obwohl doch der gleiche Geist sie trieb, war eine Tragik, deren Ursache wesentlich in der Biographie der beiden Reformatoren lag:

 
Luther war Mönch und sein Denken durch die mittelalterliche scholastische Theologie geprägt.
Zwingli dagegen war ein im Brennpunkt der Gesellschaft stehender Priester und vom Humanismus beeinflusst.
Luther saß in seiner Studierstube in Wittenberg, sah die Menschen erdrückt von Angst und Schuldgefühlen (Bußprediger Tetzel aus dem nahen Magdeburg!) und rang mit der Frage: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?
Zwingli zog als Feldprediger in die Schlachten des beginnenden 16. Jahrhunderts, sah seine Landsleute in gegeneinanderstehenden Armeen verbluten, sah das Elend der Menschen und rang mit der Frage: Wie finden wir zu einer Gesellschaft, in der im Wissen um die Vergebung menschlich miteinander umgegangen wird?
Luther erkannte den Auftrag, den Gott zu verkündigen, der den Menschen rechtfertigt allein aus Gnaden.
Zwingli
erkannte das Gebot, sich − über diese Verkündigung hinaus − Gott zur Ehre für eine gerechtere Gesellschaft einzusetzen.
 
Luther lebte in einem hierarchisch gegliederten Fürstenstaat, übernahm dieses Modell für die Struktur seiner Kirche (bischöflich) und begründete das theologisch mit dem biblischen Gemeindebild von Hirt und Herde.
Zwingli dagegen lebte in einem republikanischen Stadtstaat mit einem gewählten Rat. Dies wurde ihm zum Vorbild für den Aufbau seines Kirchenwesens (presbyterial), und er begründete es theologisch folgerichtig mit dem biblischen Bild vom Leib Christi, in dem jedes Glied gleich wichtig und Christus das Haupt ist.
 
 

Im Religionsgespräch von Marburg 1529 haben Luther und Zwingli den Versuch unternommen, beide reformatorischen Bewegungen zu vereinen. Fast wäre es gelungen, aber es scheiterte an den unterschiedlichen Auffassungen vom Abendmahl. Für Luther waren Brot und Wein wirklich ("est" = ist) Leib und Blut Christi, Zwingli sah in ihnen nur ein Zeichen ("significat" = bedeutet).


 

Fortsetzung des reformierten Protestantismus durch Calvin

Nach Zwinglis Tod war es vor allem der in Genf wirkende Johannes Calvin, der den reformierten Protestantismus als Lehre befestigte und konsequent weiterführte. Ebenso wie Zwingli in Zürich organisierte Calvin in Genf eine neue, auf demokratischer Struktur basierende Kirchenordnung, wonach die Leitung der Gemeinde in den Händen der Pfarrer und Presbyter liegt. Ebenso wie Zwingli sah auch er im Christsein einen gesellschaftlichen Auftrag. Der geschichtlichen Entwicklung Rechnung tragend, bestand seine Auseinandersetzung mit den Zeitereignissen jedoch vor allem darin, auf die fortschreitende Verweltlichung des gesamten Lebens, die in Frankreich im ausgehenden 16. Jh. besonders deutlich zutage trat, zu reagieren und die gesellschaftlichen Missstände anzuprangern. Calvin übernahm nach Luthers Tod (1546) dessen Rolle als Sprecher aller „Evangelischen“.

Die Ausbreitung der Lehren Luthers und Calvins

Lutheraner und Reformierte sind in den folgenden Jahrhunderten getrennte Wege gegangen, im realen wie im übertragenen Sinn. Während sich die lutherische Reformation bald außerhalb Deutschlands in Skandinavien und im Baltikum ausbreitete, fassten die Reformierten außerhalb der Schweiz vor allem in Westeuropa (Niederlande, Frankreich, Schottland) und in Nordamerika Fuß. In Deutschland wechselten zunächst die Konfessionen je nach dem Glauben ihrer Landesfürsten, jedoch waren es vor allem west- und nordwestdeutsche Gebiete, in denen sich zunehmend reformiertes Glaubensverständnis etablierte.

Von gegenseitiger Intoleranz zu gegenseitiger Akzeptanz

Für die weitere Entwicklung einschneidender als die unterschiedlichen geographischen Wege aber war, dass sich zwischen den Glaubenspositionen ein unüberwindlicher Graben auftat, der so tief war, dass sich Lutheraner und Reformierte lange nicht tolerieren konnten. Im Lauf der Geschichte gab es Perioden (16./17.Jh.), in denen sich beide offen befeindeten, manchmal floss sogar Blut. Prominentestes Opfer in Sachsen war der des Calvinismus verdächtigte Kanzler Nikolaus Krell , der 1601 auf dem Neumarkt in Dresden hingerichtet wurde.
Auch in der Geschichte der Dresdner reformierten Gemeinde, kann man nachlesen, wie es anfänglich am friedlichen Miteinander fehlte, ebenso aber die weitere Entwicklung verfolgen, in der sich ganz allmählich gegenseitige Akzeptanz einstellte. Im Zeitalter der Ökumene verlor die Abgrenzung dann vollständig an Bedeutung. In der Leuenberger Konkordie von 1973 beschlossen die reformatorischen Kirchen Europas Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft.