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Geschichte der Gemeinde bis 1999

Gottesdienst hinter verschlossenen Türen

   

Die Gründer der Dresdner reformierten Gemeinde waren französische Hugenotten, die nach dem Erlass des Edikts von Fontainebleau (1685) wegen ihres Glaubens aus Frankreich fliehen mussten. Von den etwa hundertsechzigtausend Flüchtlingen kamen einige wenige bis in das lutherische Sachsen nach Dresden und trafen sich hier regelmäßig zu ihren Gottesdiensten und Abendmahlsfeiern. 1689 nahmen sie einen jungen französischen Prediger in den Dienst. Dies sah man später als die offizielle Gründung der Evangelisch-reformierten Gemeinde zu Dresden an. Noch wurde ausschließlich französisch gesprochen.

Die Zusammenkünfte mussten jedoch im Geheimen stattfinden, denn calvinisch Reformierte waren im lutherischen Sachsen nicht geduldet. Damals galt, dass die Religion des Landesfürsten die Religion seiner Untertanen zu sein hatte: „Cuius regio eius religio“. Dieser Grundsatz wurde im Augsburger Religionsfrieden 1555 aufgestellt und hatte noch immer Gültigkeit.

Die Dresdner Gemeinde versammelte sich also im Verborgenen, in Privathäusern von Mitgliedern, zu denen Handwerker und Kaufleute, bald aber auch angesehene Leute des Hofs gehörten. So traf man sich u.a. von 1689 – 1704 im Haus des Perückenmachers Hennequin oder etwas später, um 1708, im Palais des Grafen von Hoym, des Ehemanns der Gräfin Cosel, bevor sie die Mätresse Augusts des Starken wurde.



 
Keramiknachbildung des von Adam von Mányoki 1742 entworfenen und noch heute gebräuchlichen Gemeindesiegels
 

Fast 130 Jahre bis zur endgültigen Akzeptanz

Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts verbesserte sich allmählich die Situation der Reformierten in Dresden. Sie wurden jetzt wenigstens geduldet, hatten aber noch keinerlei Rechte. Zum Beispiel mussten Taufen, Trauungen und Beerdigungen weiterhin in lutherischen Gemeinden durch lutherische Geistliche gegen Gebühren (sog. Stolgebühren) durchgeführt werden. In deren Kirchenbüchern wurden sie auch registriert.

Erst mit dem Erlass vom 16.08.1764 erhielt die Gemeinde das Recht, diese Amtshandlungen selbst vorzunehmen. Nun war es auch möglich geworden, eigene Kirchenbücher zu führen (bis 1818 in französischer Sprache). Sie sind bis heute erhalten geblieben.

Bald darauf konnte eine Kirche gebaut werden. Am 26.07.1767 feierte die Gemeinde dort ihren ersten Gottesdienst.

Bis jetzt bestand die inzwischen auf 300 – 400 Mitglieder angewachsene Gemeinde fast ausschließlich aus Franzosen. Zunehmend traten aber auch Deutsche bei, so dass wenig später ein zweiter - deutschsprachiger - Pfarrer angestellt werden musste.

Die Verhältnisse verbesserten sich spürbar aber erst nach dem königlich-sächsischen Mandat vom 18.03.1811 (Bild unten), mit dem die Reformierten den Lutheranern und Katholiken gleichgestellt wurden.

   

Das königlich-sächsische Mandat von 1811

   

Das Regulativ vom 07.08.1818 brachte dann die endgültige Akzeptanz der Sonderstellung der reformierten Gemeinde als reformierte Presbyterialkirche im Unterschied zur lutherischen Konsistorialkirche. Die Kirchenbücher wurden endlich als rechtsgültige Dokumentationen anerkannt.


   

Von einer französisch-reformierten
zu einer deutsch-reformierten Gemeinde

   

Die unterdessen etwa 600 Mitglieder zählende Gemeinde bestand jetzt in der Mehrheit aus Deutschen. Französischen Gottesdienst gab es nur noch 1x im Monat. Auch die Schriftsprache wurde allmählich ausschließlich deutsch.

Um 1835 hatte sich das Verhältnis zur lutherischen Kirche so weit entspannt, dass die Gemeinde sogar den Lutheraner Ernst Volkmar Kohlschütter (späterer Superintendent der Dresdner Kreuzkirche) für sechs Jahre als Hilfsprediger anstellte – ein frühes Zeichen von Ökumene, die die Dresdner Reformierten immer wieder praktizierten.

An der Schwelle zum 20. Jahrhundert war aus der ehemals französisch-reformierten Gemeinde eine deutsch-reformierte Gemeinde geworden. Sie blieb nicht mehr nur auf den Dresdner Raum beschränkt, sondern umfasste auch alle Reformierten Ostsachsens, die von Dresden aus betreut wurden. In dieser Konstellation kam sie auf etwa 5000 Mitglieder.

Das alte Gemeindehaus konnte die so groß gewordene Gemeinde nicht mehr fassen, außerdem reflektierte die Stadt Dresden für den Bau ihres neuen Rathauses auf das Grundstück des Gemeindehauses. Deshalb wurde 100 m vom alten Standort entfernt eine neue Kirche gebaut, dreischiffig mit Empore, im neugotischen Stil. Am 07.03.1894 feierte man den Eröffnungsgottesdienst.

 
Ernst Volkmar Kohlschütter
(1812 - 1889)

Reformierte Kirche am Külzring   Die Kirche nach der Zerstörung
  Innenraum der Notkirche 1948
     

   
     

Die Gemeinde im Sog der politischen Ereignisse
des 20. Jahrhunderts

   

Im Feuersturm des 13. Februar 1945 brannte diese Kirche aus. Alle Unterlagen, mit Ausnahme der Kirchenbücher, gingen verloren. Jedoch konnte bald an einen wenigstens provisorischen Wiederaufbau gedacht werden. Die Kirche bekam - um fast die Hälfte tiefer – ein neues Dach.

Das Weihnachtsfest 1948 konnte die Gemeinde schon in der wiederhergestellten (Not-) Kirche feiern. Am 12.11.1949 erklang auch wieder eine Orgel zum Gottesdienst.

Wenige Jahre später musste die Gemeinde auf Betreiben der Stadt Dresden ihren Kirchenstandort verlassen, die Kirche stand dem sozialistischen Aufbau im Wege und wurde abgerissen. Wieder einmal musste ein neues Domizil gesucht werden. Man fand es in der Ruine des ehemaligen Hofgärtnerhauses am Brühlschen Garten, das 1750 durch den Hofbaumeister Knöffel errichtet und am 13.02.1945 völlig ausgebrannt war. Nach geschickten Tauschverhandlungen durch den damaligen Pfarrer, August de Haas, wurde hier 1956/57 das neue Gemeindezentrum mit Kirchsaal, Verwaltungs- und Gemeinderäumen, der Hausmeisterwohnung und einem Seniorenheim mit 30 kleinen Einzelzimmern errichtet. Mit überragender finanzieller Unterstützung durch das Hilfswerk Evangelischer Kirchen in der Schweiz konnte es in kurzer Zeit vollendet werden.

Im Oktober 1956 wurde der Kirchsaal eingeweiht, im folgenden Sommer das Seniorenheim „August de Haas“ bezogen.

 
Das Gemeindezentrum am Brühlschen Garten um 1985

Kirchsaal
     

Deutsche Einheit 1990 – für die Gemeinde erneut ein einschneidender Prozess

   

Die Vereinigung Deutschlands brachte die Gemeinde von neuem in Schwierigkeiten. Das Seniorenheim entsprach nicht mehr den Erfordernissen der Heimmindestbauverordnung der Bundesrepublik Deutschland. Die Zimmer mussten vergrößert werden. Den Raum dazu fand man im Kirchsaal, der unter den Heimzimmern lag. Aus ihm entstanden 2 Etagen neuer Wohnbereich. 1999 erfolgte der entsprechende Umbau. Kirchraum wurde der Kanonenhof der Festungsanlage, der sich unter dem Gemeindehaus befand. (Architekt des Umbaus: W. Hößelbarth).

Am 31. Oktober 1999 konnte die Gemeinde den ersten Gottesdienst in den historischen Mauern feiern. Am 13. November nahmen unsere Senioren, die während der Bauzeit in einem Radebeuler Heim untergebracht waren, das neu erstandene Seniorenheim in Besitz.

Eingang in den als Kirchraum ausgebauten Kanonenhof

  Die Südseite des umgebauten Gemeindekomplexes mit erweitertem Seniorenheim und Bistro